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Banalität – Das erste Prinzip des Nichts

Übersetzt von Igor Kapetanović und Ivana Perica


Das allerhöchste Kriterium, auch im Bereich der geistigen Ausprägung, ist das Kriterium, welches nach dem Selbst-Aufopferungsgrad desjenigen erstellt wird, der sich „ausprägt“.

 

Anscheinend dem Subjekt und seinem Denken gewidmet, und auf die klassischen Motive der Ästhetik des Realismus zurückgreifend, nach denen eine Ausprägung um so schneidender und mächtiger ist, je glücklicher die Verwandlung von Ideen in lebens-realistische, sinnliche Vorstellungen und Wirklichkeitsbilder ist, zieht dieses Kriterium gleichwohl den Geist der geschlossenen Welt als den Geist der Palanka hinaus, weswegen es auch kein Zufall ist, dass hier die Forderung nach dem absoluten Realismus parallel mit der Empfindung einer starken Geschlossenheit der Welt, beziehungsweise der Entrechtung des Subjekts in dieser Welt offenbar wird. Je tiefer verdeckt, je deutlicher entwertet das Subjekt der geistigen Ausprägung ist, desto mehr ist nach diesem Kriterium der geistigen Ausprägung die Wirklichkeit enthüllt, deren Erscheinung sich nur dann als möglich denken lässt, wenn es in umgekehrtem Verhältnis zur Erscheinung der Anwesenheit des Subjekts als einer „besonderen“ Wirklichkeit in der Wirklichkeit steht, quasi als einer Pause in dieser Wirklichkeit, und noch mehr, als eines dunklen Flecks, der aus ihrem Gesicht beseitigt werden muss. Der Realismus, der hier vom Geist gefragt ist, kommt von dem Glauben an die vollkommene Gespaltenheit der Welt, besser gesagt vom Glauben an ihren unüberwindlichen Dualismus Subjekt-Objekt. Das Subjekt kommt nicht in einem schöpferischen Verhältnis zum Objekt zustande, als sein Bewusstsein, sondern es befindet sich vor diesem Objekt, außerhalb von ihm. Das ist die Verzauberung durch das Objektive als Nicht-Subjektives und, noch mehr, als das Über-Subjektive, das ist der Dienst der vergöttlichten, „reinen“ Wirklichkeit, die an und für sich wahrhaftig-ewig bleibt, wie ein Über-Ich der Wahrheit, die, nur indem sie uns wie im Fegefeuer – in der Vorhalle des Paradieses oder der Hölle – von unserer flüchtigen und in Bezug auf diese Wirklichkeit ihr vollkommen gegensätzlichen Subjektivität reinigt, überhaupt zum Sprechen kommen kann.

 

Das Wahre ist nur das, was wirklich ist, und das Wirkliche ist das einzig Wahre, das Wahre als das Objektive, also Nicht-Persönliche. Das Wahre ist das „Allgemeine“, das Typisierte, Typische. Es liegt im Durchschnitt der Persönlichkeiten, im Durchschnitt ihrer abgebrochenen Subjektivitäten und Einzigartigkeiten, in jenem gemeinsamen Nenner, zu dem man durch die Herabsetzung des Persönlichen auf das Durchschnittliche kommt. Das Wahre ist das Gewöhnliche. Es befindet sich in der Gewöhnlichkeit selbst als einem allmächtigen Motiv, das sich in allen „Fällen“ wiederholt. Alles andere (Persönliche) bezieht sich zum Objektiv-Wahren, Gewöhnlich-Wahren als reiner Zufall, der insofern unhaltbar ist, als man wirklich nur das fühlt, was geschlossen ist und auf seine innere Fortdauer beharrt. Der Zufall als Ausdruck der Diskontinuierlichkeit ist demnach eine Ausprägung des Unwirklichen. Das Wirkliche erzielt man nur durch die Opferung vom Einzelnen-(untypisch)-Zufälligen. Wegen ihrer Reihenordnung und ihrer Kontinuität ist die Wirklichkeit rational, und in diesem Sinne ist sie „logisch“, im Unterschied zum Zufall, der unlogisch, sogar alogisch ist, gerade da er durch seine Logik der Wirklichkeit der absoluten Ordnung und Gesellschaftsordnung, die sich auf diese Weise ununterbrochen beweisen, nicht-wirklich ist.

 

Die Wirklichkeit ist die Wiederholung (Dauer) dessen, was wirklich-wahr ist, gerade da es sich wiederholt. Mit anderen Worten, Wirklichkeit ist Banalität, und unsere Fähigkeit (in jeder Hinsicht) ist die Fähigkeit zur Banalität, Fähigkeit zur Banalität als Wahrheit, Fähigkeit zur Preisgabe der Illusion, egal wie sie sich ausprägt, und am ehesten ist sie die Fähigkeit zur Preisgabe von der tief illusionistischen Welt der Träume und Wünsche. Wenn das Wesen allerdings nicht in der Lage ist, sich von der Illusion zu heilen (vom Wunsch, der der wahre Urheber der Illusion ist), sieht es darin nicht seine Katastrophe, die es nicht überleben würde, sondern die Gewähr für seine echte Selbst-Ausprägung als die Selbst-Ausprägung der Kraft, der Fähigkeit zum Wahrheitsdienst, und diese Fähigkeit ist die Fähigkeit zum Brechen dieses Geistes des Illusionismus, zur Bekämpfung seiner Verlockungen.

 

Sogar erst da, in diesem Konflikt mit den eigenen Träumen, mit ihrem „Ich“, schafft es der Mensch, in die wirkliche Wahrheit als Wahrheit der rationalen Ordnung zurückzukehren, er schafft es sogar, sich auf eine gewisse Weise mit ihr zu identifizieren, sich in sie zu produzieren, indem er sich selbst dieser Wahrheit aufopfern wird, und zwar durch das System einer brutalen Askese, einer Selbst-Disziplin der Enthaltsamkeit. In diesem Fall ist das Ideal der Selbstkontrolle hochgradig-imperativ. Indem es sich zu sich selbst als zu einem Über-Ich der Desillusion, der absoluten Wahrheit bezieht, wird er sich selbst gegenüber herrschaftlich mächtig, im Verhältnis zu sich selbst wiederholt er das Verhältnis, in welchem zu ihm das Über-Ich der Welt der Wahrheit steht, der Welt, die ihn determiniert; und dadurch zum Herrn seiner Selbst werdend, wird er zum Teil des Herrschaftsprinzips selbst. Er ist sich selber gegenüber ein Knecht und er lebt von dieser Knechtschaft, die wie jede Knechtschaft unausweichlich illusionistisch ist, den Träumen treu, der Untreue der Träume treu. Das Prinzip der Herrschaft, welches das Prinzip der Welt der Palanka ist, wird hier durch die Quelle und Gewähr des Leidens und der Erniedrigung zur Quelle (und zur Gewähr) der persönlichen Größe hergestellt, und zwar dadurch, dass der Geist tief in die Banalität eintaucht, nämlich als:

1) die Banalität des Ewig-Unveränderlichen, da Über-Zeitlichen, und

2) die Banalität des Nichts. Wenn diese Wiederholung des Prinzips der Herrschaftswelt (und des herrschaftlichen Über-Ichs des Geistes der Palanka als des allgemeinen, „wirklichen“ Geistes der Desillusion) ebenso eine Art Infantilismus ist (der lakaienhaft-hündischen Nachahmung des ungeliebten Herrn, durch die Verzweiflung, die als eine mentale Technik der eigenen Ver-Herrschaftlichung von Hund und Lakai genommen wird), und zwar jenes Infantilismus, in welchem das Prinzip des sadistischen Herrn, nun angewandt von Seiten des Individuums auf sich selbst, zum Prinzip des typischen infantilen Masochismus wird – dieses Prinzip ist der einzigartige Weg des Geistes der Palanka in das Nichts, und das gerade weil es sein Weg in die Banalität des Außerzeitlich-Ewigen, in die Banalität seines geschlossenen Kreises führt. Die Palanka ist „Ewigkeit“, und deswegen Banalität, und deswegen Nichts.


Das Grundprinzip, geschaffen vom Bedürfnis zu überleben (anzudauern), und zwar durch die Verallgemeinerung von allem Besonderen als „Stil“, verwandelt sich in das Prinzip des Nichts als das Prinzip „des toten Lebens“. Das, was hier überlebt, das ist der „Tod“, enthalten in der Ewigkeit, in ihrer Statik außerhalb der Zeit. Auf diese Weise ist das „Wirkliche“ als das Allgemeine und Über-Zeitliche (auch als das Über-Persönliche und das Un-Persönliche) das „Wirkliche“ des Nichts, aber eines Nichts, welches in diesem „Wirklichen“ als seine unwiderstehliche Zerlegung besteht, als die Leugnung des Wirklichen durch das Wirkliche, so dass der „Realismus“ dieses Geistes eine einzigartige Weise der Einweihung in die Außer-Wirklichkeit des Nichts oder Außer-Wirklichkeit der absoluten Identität ist, in die eine Sache, die sich selber unendlich gleich ist, „hineinsinkt“, wie in die Unendlichkeit (Irrationalität dieser Unendlichkeit) dieser unendlichen Gleichheit.

 

Das ist das Nichts des Geistes der Palanka als eine Tautologie des geschlossenen Kreises, eines ausweglosen „Kreisens“ von Ein-und-demselben in Ein-und-demselben, aber in der Tat die Tautologie des Kreisens einer unaussprechlichen Übereinstimmung. Das Gleiche, was die Quelle der Sentimentalität ist: die verunmöglichte Tragödie, die es nur dort gibt, wo es die Möglichkeit von Differenzierung und die Möglichkeit des Konflikts mit dieser Differenzierung gibt, wird auch hier offenbar als ein Ursprung dieses Nichts: die perfekte Übereinstimmung der perfekt-wirklichen, ewig-wahren Wahrheit mit sich selbst, die sich von nichts unterscheidet, mit nichts vergleichen lässt, so dass sie in diesem Sinne auch unsagbar ist, eine Wahrheit ohne Sprache als das eigentliche Nichts. Die Ausprägung, die tragisch ist, weil sie, so wie die Tragödie auch, nur durch die Differenzierung des einen vom anderen möglich ist, und somit durch den Verkehr zwischen Worten und Dingen, aber auch zwischen Worten und Worten, zwischen Geist und Wirklichkeit (aber auch zwischen Geist und dem Geist selbst, in ihm selbst), bringt nicht diese absolute Übereinstimmung zum Vorschein, so wie sie auch das Nichts nicht zum Vorschein bringt. Allein diese Ausprägungslosigkeit ist die „Ausprägung“ des ausprägungslosen Nichts, welches die Differenzierung wie auch die Existenz verunmöglicht, die durch die Ausprägung überhaupt ist, in ewigem Raub vom Ausprägungslos-Entwertenden, vom Nichts, wobei diese Existenz, sich selbst suchend, die Ausprägung ihrer selbst sucht, und hier die eigene Unmöglichkeit kennen lernt, mit der sie unversöhnt ist (da mit ihr unversöhnlich). Sie lernt das Nichts des Ewig-Wahren als des Banal-Wahren oder Wahr-Banalen, in der Tat als das Nichts des „Gewöhnlichen“ und Gewohnten kennen. Der Realismus, der sich auf das Kennenlernen einer ausschließlich empirisch-nachprüfbaren Tatsachenwelt stützt, welches sich vom gesunden Menschenverstand leiten lässt, ist diese Verengung der Welt (zu einer Welt der empirisch-nachprüfbaren Tatsachen) durch diese Ablehnung von allem, was empirisch-nicht-nachprüfbar ist, und zwar auf die Art und Weise, dass die Welt schicksalsträchtig die Tatsache wiederholt:

1) ihre Überzeitlichkeit,

2) ihr Nichts (deswegen ist die Tatsache im Endergebnis ihres geistigen Schicksals die Tatsache des Nichts).

 

Der Mensch ist eine Tatsache unter Tatsachen dieser tatsächlichen Welt, die mit höchster Schnelligkeit und höchster Effizienz nachprüfbar ist, so dass hier nicht einmal eine Bewegung von Nachprüfungen stattfinden kann: Die Welt wurde nachgeprüft, sie ist damit eine „vollendete“, erschöpfte Welt, sie war bevor sie überhaupt war. Ich, als eine Tatsache der Tatsachenwelt, habe mich ereignet vor mir selbst, und außerhalb von mir selbst, da außerhalb von dieser „Nachprüfung“. Mein Empfinden meiner selbst kann nur eine momentane Offenbarung der Anwesenheit sein, die, wenn ich versuche mir ihrer bewusst zu werden, wie jede andere absolute Tatsache blitzschnell in die Tautologie fällt, wie in die Selbst-Entwertung durch die Ausprägungs-Losigkeit.