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Glück durch Unglück als Vor-Ursache des Determinismus

Übersetzt von Manuela Krnjić und Ivana Perica


Wiederum scheint es, als ob der Pamphletismus als Objektivierung des eigenen Unglücks (der Gewalt über die Forderungen der Existenz) in dieser Abweisung des philosophischen Geistes keine Grenzen hätte:

 

Auch wenn er sich am häufigsten im Konflikt zwischen Individuen (Subjekten-Objekten) manifestiert, manifestiert er sich auch im Konflikt des Individuums mit der Welt der Palanka selbst, wobei der Geist der Palanka nicht einmal hier in Widerspruch zu sich selbst gerät, und das nicht nur deshalb, weil diese Welt nicht ideal „seine“ Welt wäre (sie widerspricht dem Geiste der Palanka in dem Maße, in dem er selbst mit seiner Wirklichkeit nicht übereinstimmen kann), sondern weil auch diese Ablehnung der Welt wiederum eine eigentümliche Methode seiner Exteriorisierung ist, eine einzigartige Art der Vermeidung der Konfrontation dieses Geistes mit sich selbst, aber auch eine Art der Objektivierung des Subjekts (durch die eigene Objektivierung in die Welt hinein), eine Art, sich als Objekt fremden Willens, als Opfer darzustellen, und zwar auf eine ihm äußerst eigentümliche Weise (ohne die es in gewisser Hinsicht unvorstellbar ist).

 

Daher kann man sogar einen Willen des Geistes der Palanka voraussetzen, der zur Begeisterung für Auflehnung neigt, und auch zur Auflehnung selbst, d.h. zur Auflehnung gegen die Welt der Palanka, die das Subjekt „akzeptiert“ als eine besondere Form der Exteriorisierung seines eigenen Inhalts, aber auch damit zusammenhängend, als eine besondere Weise, sich durch die Anschuldigungen der Welt (und durch die Exteriorisierung seines eigenen Übels) als ein fremdes Opfer auf dem Wege zur totalen Durchsetzung des Bewusstseins über die eigene Ohnmacht (Einflusslosigkeit) zu produzieren, welcher der Weg einer immer tieferen Objektivierung ist. Ein durchaus besonderes Erlebnis eines Glücks durch Unglück, das in jeder Manifestation des Geistes der Palanka einmalig ist, das nach dieser Selbst-Verwandlung des außer-subjektiven Geistes der Palanka in eine immer tiefere Objektivität erfolgt (in die Passivität des Opfers der Welt als Passivität des Objekts), ist nur scheinbar eine Nachfolge dieser Vertiefung der Außer-Subjektivität durch die Exteriorisierung des eigenen Unheils in die Welt „mit der Kritik“ der Welt (die nicht in Auflehnung und wirkliche Negation ausufert, weil sie außer-subjektiv ist), und dem ist deshalb so, weil dieses Erlebnis der eigentliche Verursacher und das letzte, oberste Ziel dieser ganzen geistigen Unternehmung ist:

 

Das Glück durch Unglück ist hier das, was dieser Geist als Geist der Singularität (des Individualismus), die sich vor sich selbst fürchtet, gleichzeitig (mit der Forderung der Existenz und Geschichte, der Existenz in einem neuen historischen Moment) unausweichlich herbeiruft und will. Das Unglück, zu dem man wie zur Empfindung dieses Geistes kommt, der die Welt der Palanka für sein eigenes Unglück beschuldigt, ist Ausprägung des Willens dieser Singularität nach sich selbst, genauso wie das Glück wegen dieses Unglücks (durch dieses Unglück) eine Ausprägung der Angst dieser Singularität vor sich selbst ist, die Ausprägung des „Stammeswesens“ in ihrem Wesen, jenes Stammeswesens, welches (als ein einheitlich-geschlossener Geist) mittels dieser Singularität seine eigene Agonie deutlich werden lässt, die Sterbensfurcht dabei mit Angst und Glück wegen angesichts einer neuen Geburt von neuen Existenzformen zusammenbringend. Als Opfer (fremdes, und nicht eigenes) bin ich ein Objekt, und ich bin so in ihm gut aufgehoben, in seinem Schicksal, welches ein schmerzhaftes (glücklich-unglückliches) Schicksal der Passivität ist, aber nicht weniger auch ein Schicksal dieses finsteren Glücks durch Sicherheit, die nur die Passivität bringt, aber die eine unerreichbare Sicherheit ist, weil sie, ideal gesprochen, die Herausnahme aus der Existenz inmitten der Existenz selbst ist, und in der Wirklichkeit die Unmöglichkeit der Aussöhnung von Subjekt und Objekt im Geiste ist, in Richtung einer paradoxen Subjektivität des Objekts als einer idealen, absolut passiven, objektbezogenen und objektbezogen-unschöpferischen Existenz.

 

Das Gebot der Existenz als Selbst-Schöpfung des existentiellen Wesens, als dringliches Gebot des Schöpfens gegenüber dem dringlichem Gebot der Bildung von Subjekt im Subjekt, widersetzt sich dieser Verwandlung des Subjekts ins Objekt, aber es fordert sie gleichsam heraus, als ein Ideal, dabei den Widerstand des Geistes der Palanka hervorrufend, welcher dem Leben treu ist, einem Leben, das sogar ewig dauern würde (weswegen auch Tragödie und tragische Geschichte abgelehnt werden), aber welcher auch der Verschließung selbst treu ist (eben weil er dem Dauern, dem Über-Leben treu ist), als ein Ideal, welches im grundsätzlichen Missverständnis des Geistes der Palanka enthalten ist, das sich im Glauben begründet, dass nur das dauert, was absolut wirklich ist, und als Wirklichkeit un-tragisch, und deswegen (weil es absolut-wirklich ist) auch absolut geschlossen ist. Was, generell gesehen, bei der Verallgemeinerung durch die Ein-Förmigkeit des Stils erfolgt, erfolgt auch bei dieser Selbst-Erklärung des Subjekts zum fremden Opfer, zum Subjekt, das in solchem Maße von außen vorbestimmt ist, dass es sich selber immer ausgeprägter und immer mehr (aber nie ideal) als reines Objekt wahrnimmt und „hat“.

 

Die grundlegende Bestrebung, auch im Falle der Verallgemeinerung (des Überlebens) durch den Stil, wie auch im Falle dieser Objektivierung durch die Exteriorisierung des eigenen Unheils, welches auf einem außerordentlich simplifizierten, und somit noch „effektiveren“ Determinismus beruht (die Schuldigen für mein unheilvolles Schicksal sind draußen, außerhalb von mir, in der Welt, und nicht in mir), ist die Bestrebung nach Überleben oder Sicherheit, die Bestrebung nach Dauer. Das höchste Gebot heißt, dass man dauert, oder, in einem ganz bestimmten Sinne, der sowohl geistig als auch auf der Ebene der Moral offenbar wird (und auch auf der Ebene der Philosophie des Geistes der Palanka), dass man die Existenz, die als eine Kettenserie von Gefahren der tragischen Versuchungen des Subjekts aufgefasst wird, durch Dauern ersetzt. Der Determinismus, der in seiner brutalsten Ausprägungsform eine unveräußerliche inhaltlich-richtungweisende Bestimmung der Philosophie der Palanka ist, und der immer die Form eines ebenfalls völlig primitiven Empirismus annimmt (am häufigsten in der Richtung des gesunden Menschenverstandes, der jede Fähigkeit zu Verallgemeinerungen der Welt der Tatsachen entbehrt), auch des „naiven Realismus“, einer Nüchternheit, die die „Sachen so nimmt, wie sie sind“, die sich in „nichts betrügen lässt“, erweist hier dem Geiste der Palanka einen unleugbaren Dienst, der ein Geist des Opfers ist als Geist eines maximal möglich objektivierten Subjekts, jenes Subjekts, welches nicht-schöpferisch ist, und dessen Bewusstsein vor allem das Bewusstsein über sein eigenes Nicht-Schöpfertum sein muss. Das Opfer (zu dem sich das Subjekt mit der „Kritik“ der Welt der Palanka, dieser seiner-nicht-seiner Welt, produziert) ist die endgültige Ausprägung dieses Willens zum Nicht-Schöpfen als Wille zum Dauern in der Sicherheit. Die Haltung des Geistes der Palanka gegenüber der Geschichte (und gegenüber der „Welt“, in der, die dem Geiste der Palanka eigene  Welt vernachlässigend, die Geschichte sich verkörpert hat und sich auch weiterhin verkörpert) wiederholt sich auch in seiner Haltung gegenüber der eigenen Welt, die schon allein deswegen (wegen seiner Bestrebung zur Sicherheit des nicht-schöpferischen außer-subjektiven Subjekts) nicht wirklich seine Welt sein kann: Dieser Geist in seiner Welt, in der er sich verwirklichen will, in die weltliche Sicherheit hineintreten will, widerspricht sich selbst, weil er, indem er seine Welt hat, (sich selbst gegenüber) als Subjekt dieser Welt auftritt. Zwischen der Haltung der „eigenen Welt“ und der Haltung des Objekts als Opfers der Welt, dank welcher die Welt notwendigerweise in die „Fremdheit“ fallen muss (auch wenn sie diese Fremdheit nicht ist und danach zu dieser auch nicht tendiert), entscheidet sich der Geist der Palanka für diese „Fremdheit“ der Welt, für das Leiden in ihr als Leiden wegen der Einflusslosigkeit, so stark auch gleichzeitig in ihm die Nostalgie nach der eigenen Materialisierung in die Welt  sein mag.

 

Die Fragwürdigkeit seiner Kritik an dieser seiner-nicht-seiner Welt (die in manchen Momenten bis zur eigentlichen „Auflehnung“ führt) kommt von seinem widersprüchlichen Verhältnis zur Welt, welches gleichzeitig will und nicht will, was eigentlich die Wahrheit seiner Singularität (seines Individualismus) ist, der Widerspruch also zwischen dem stammeswesentlich Einzigartigen, Über-Singulären (und als solchem Mit-Weltlichem) und dem Subjektiv-Schöpferischen, das sich unfehlbar als die Ein-Weihung in die Offenheit anfühlt. Das ist der Widerspruch zwischen der Eingebundenheit der Singularität in das Stammesuniversum, an deren Über-Subjektivität die Singularität ihre Subjektivität „übergibt“, und der Haltung des absolut-schöpferischen Subjekts, das von jeglicher Über-Subjektivität, aber damit auch von jeglichem einheitlichen Universum erlöst ist. Die Kritik, mit der sich der Geist der Palanka darbietet, wenn er sich gegen seine-nicht-seine Welt wendet, ist deswegen:

1) die Ausprägung seiner Nichtaussöhnung mit der Welt, die nicht die ideal seine Welt ist (sich nicht in der idealen stammeswesentlichen Ein-Förmigkeit befindet), und die ihn auf diese Weise leugnet und durch diese Leugnung zu seiner Leugnung der Welt führt, beziehungsweise zu seinem Bewusstsein über die eigene Singularität (die eben durch solche „Kritik“ sich ihrer selbst bewusst wird), und

2) die Ausprägung seiner Nichtaussöhnung mit der Singularität, als seinem außer-weltlichen Schicksal, als dem Schicksal der Verbanntheit aus einem geschlossenen Universum. Das Letztere liegt vor, wenn diese Kritik allerdings nicht abgelehnt wird, sondern mit einer noch größeren Geistesstärke, in der äußersten Schlauheit der eigenen Objektivierung des Geistes, akzeptiert wird, und zwar als:

a) Ablehnung des Konflikts dieses Geistes mit sich selber (und damit auch als Ablehnung der subjektiv-schöpferischen Existenz), und b) als eigene Verwandlung in ein „Objekt“ des Willens seiner-nicht-seiner Welt als Wille der absoluten Macht des absoluten Determinismus.

Der Determinismus ist hier die Funktion der Singularität in der Angst vor sich selbst, die einzigartige Weise der Akzeptanz einer nicht-eigenen Welt: Vorgegeben als absoluter Wille, der jeden Willen des einzelnen Subjekts zunichte macht, wird diese fremde Welt zur maximal möglichen Welt dieses Subjekts selbst, und zwar dadurch, dass sie es „nimmt“, das Subjekt damit in das maximal mögliche Objekt verwandelnd. Die Philosophie des Geistes der Palanka kann nicht die Philosophie des Schöpfertums sein, ungeachtet all ihrer verbalen Ausprägungen: Der Determinismus und naive Realismus dieses außer-subjektiven Subjekts als einer vor sich selbst fürchtenden Singularität verunmöglichen prinzipiell diese Philosophie des Schöpfertums. Es gibt keine Stammesagonie (des Geistes der Palanka), die nicht im Zeichen der Geburt eines besonders akzentuierten Determinismus stünde. Es handelt sich um einen verwurzelten Determinismus, der nicht eine Sache willentlicher Entscheidung, und noch weniger intellektueller Erfahrung ist. Er ist die Ausprägung des Bedarfs nach dem obersten (und als solchem vereinigenden) Willen als dem Urheber von allem: das Bewusstsein von Singularität als Bewusstsein des Stammes in der Agonie (als eines Universums in der Agonie, das in seine in es bisher unbewusst eingebauten Bestandteile „zerfällt“, die durch diesen Tod ihrer selbst bewusst werden, hier wo (so wie immer?) der Tod zum allerhöchsten, allerschärfsten Bewusstsein führt) ist das Bewusstsein dieser Singularität in der Angst vor sich selbst, in der Angst als Stimme des Stammes im Einzelwesen.

 

Die Neigung zum Determinismus ist Neigung zum Über-Willen, den er bietet, und mit dem er versucht, den Über-Willen (als alleiniges Über-Ich) des sterbenden Stammesgeistes zu ersetzen. Wenn dieser Determinismus, mit der Entdeckung dieses Über-Willens in der Ordnung der Welt als seiner-nicht-seiner Welt dieses gegen sich selbst gerichteten Subjekts, mit seinem Über-Willen das Über-Ich des Stammesgeistes nicht zu ersetzen vermag, dann deswegen, weil er das Werk der Nichtaussöhnung mit der existential-geschichtlichen Notwendigkeit ist, die hier die Notwendigkeit des Schöpfens des Subjektiv-Schöpferischen ist, sowie sie in der Epoche der Stammeswelt die Notwendigkeit des Schöpfens des Stammessubjekts war, beziehungsweise deswegen, weil sie existential uneigentlich ist, und weil in dieser Uneigentlichkeit die existential-spontane und in diesem Sinne totale Haltung des Stammeswesens vergeblich versucht, durch die ausschließlich rationale Haltung dieses Determinismus ersetzt zu werden. Die Ordnung der Stammeswelt, mit ihrem Determinismus, wurde als eine existential-eigentliche Ordnung geschaffen; die Ordnung des Determinismus des Geistes der Palanka geht nicht aus der existentialen Notwendigkeit des Wesens hervor, die in bestimmter historischer Ausprägungsform erkennbar wird, sondern sie geht eben gegen diese Notwendigkeit vor, in der paroxystischen Haltung der erwachten Subjektivität, die mit der Auflehnung gegen die Welt sich mit der Welt aussöhnen will, weil sie mit sich selbst als der Notwendigkeit unausgesöhnt ist.