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Sensationalismus – Das zweite Prinzip des Nichts

Übersetzt von Marijana Perić und Ivana Perica


Der Geschmack für das Ungewöhnliche erscheint hier deswegen, in dieser „Praxis“ des Nichts, des Ewig-Faktischen und Faktisch-Durchschnittlichen, des Verallgemeinert-Unsagbaren, und das so, wie sich in der Praxis des Symbolisierens, des Abstrahierens innerhalb des Wertesystems der Welt der Palanka, im Widerstand des Wesens unaufhaltbar der Individualismus selbst meldet. Dieser Individualismus ist dem Un-Gewöhnlichem als Sensationellem korrelativ. Der „Ausgang“ aus der Palanka ist deshalb ein Ausgang in das Sensationelle.

 

Die Welt ist sensationell, weil die Palanka nicht-sensationell (banal) ist. Der Geist ist sensationell, weil die Palanka banal ist. Zwischen dem Geist (in der Praxis: Kultur, Musik, Liebe) und der „Gewöhnlichkeit“, die alltäglich-banal ist, gibt es keine Ähnlichkeit, aber, was noch wichtiger ist, da gibt es kein Verhältnis, vollkommen keine Mitwirkung, so wie zwischen der „Gewöhnlichkeit“ der Palanka und der „Un-Gewöhnlichkeit“ der Welt im Geiste der Palanka kein vertraulicheres Verhältnis vorhanden ist. Die Musik ist nicht die Transzendenz des Schweigens, wie auch das Schweigen nicht die transzendentale Musik ist. Der Geist ist nicht die Welt in ihrer unaufhörlichen Verwandlung. Der Dualismus Palanka-Welt (gewöhnlich-ungewöhnlich, geschlossen-offen), der eine unveräußerliche Eigenschaft des Geistes der Palanka selbst und seiner Philosophie, und ein unvermeidliches Erzeugnis dieses Geistes ist, wiederholt sich auch im Dualismus banal-geistig (als sensationell), oder, noch konkreter: im Dualismus gewöhnlich-genial (wieder als sensationell). Der Geist und die Kultur sind etwas „mehr“ als die Welt der gewöhnlichen, alltäglichen Materie, aber auch etwas Abgetrenntes von dieser Welt, und damit auch jenes, womit sich der Mensch von ihr abtrennt, sich dadurch vom Nichts der Banalität „trennend“, aber in Wahrheit sich in sich selbst trennend (und sich verdoppelnd) in die Welt der banalen Alltäglichkeit und in die Welt des sensationellen Geistes, der dort anfängt, wo diese Welt aufhört, und der eine reine „Leugnung“ dieser Welt ist, aber der auch die Illusion von der eigenen Ursprünglichkeit ermöglicht. Die Kultur ist deswegen eine Sache der Befreiung vom Alltagselend, aber auch eine Sache des vollkommenen „Befreitseins“ davon. Sie ist eine Insel inmitten eines Meeres der Banalität, aber eine fantastische Insel, geboren in der Phantasie eines durch die Banalität bis zur Zerstörung hingeführten Geistes. Sie ist eine Welt in der Welt, eine Welt für sich, und ihre Bürger sind Verschwörer in der Haltung eines außerordentlich simplifizierten Aristokratismus des Geistes.


Die Tragödie dieser Bürger ist eine Metapher des palankanischen Geistes, der sich in ihrem palankanisch-gegen-palankanischen Aristokratismus darbietet, eine Tragödie, die von der Helligkeit der schicksalhaften Ironie des Geistes der Palanka beleuchtet ist, und die sich darbietet in:

1) der Unausweichlichkeit des paradoxen Verstehens des Un-Gewöhnlichen als einzig „Richtigem“, und

2) der Unabwendbarkeit der Überführung dieses radikalistischen Trennens der Banalität (als des Nichts) in den reinen Dienst an dem Nichts.

– Falls das Gewöhnliche, banal seiend, die einzigartige Hervorbringung des Nichts ist, steht es in der Funktion des Nicht-Lebens. Im Gewöhnlichen gibt es kein Leben, so dass es auch im Alltäglichen kein Leben gibt. Auf diese Weise ist das Un-Gewöhnliche (das Nicht-Alltägliche) das einzig Lebendige, was heißt, dass sich das Leben in die Zonen des Un-Gewöhnlichen zurückgezogen hat, und dies umso mehr (für dieses Bewusstsein), je weniger das durch die Gewöhnlichkeit verminderte Leben der Palanka Leben geworden ist. Das Leben ist eine Oase inmitten des Lebens, das Leben ist ein besonderes Phänomen, und zu ihm kommt man nur durch Absonderung, und zwar nicht durch Absonderung als lebensnotwendigen Prozess, in dem das Gewöhnliche (Bekannte) und das Un-Gewöhnliche (Unbekannte) einander treffen, so wie der Tod des Bekannten das Leben des Unbekannten trifft, welches sich von diesem Bekannten entreißt, sondern man kommt zu ihm mittels einer Absonderlichkeit, die apriorisch ist, so wie im Geiste der Palanka die Gewöhnlichkeit apriorisch ist. Dadurch wiederholt sich nicht nur der Individualismus als Schicksal der Gewöhnlichkeit (der strengen Normiertheit) der kollektivierten Welt, sondern er steigert sich bis zur eigenen Unmöglichkeit, und kommt sogar zum Nichts des Banalen zurück. Wenn die Banalität des Allbeherrschend-Gewöhnlichen das Nichts des absolut-angeeigneten, konventionalisiert-toten Lebens ist, dann bricht diese Un-Gewöhnlichkeit in ihrem Radikalismus, in ihrem Kappen von jeglicher Verbindung mit dem Alltäglich-Gewöhnlichen, Banalen, radikal auch mit der Existenz selbst, die nicht „gegeben“ ist, sondern eine Existenzerlangung voraussetzt, und zwar durch die Verwandlung des Nicht-Existenten ins Existente, des Schweigens in die Musik, der Stillstands in die Bewegung. Sie verliert die Chance für das Leben als eine unaufhörliche Umgestaltungsdynamik, und sie verliert das Elend des Nichts als einzigartig-unersetzlichen Ursprung des Wesens, als dessen „negative“ Inspiration und eine schöpferisch antithetische Kraft.


Der Fetischismus des Geistes (der Kultur) ist deswegen dem Geiste der Palanka eigen, genauso wie ihm die nihilistische Kulturverwerfung (ihre nihilistische Verachtung) im Namen der „Wirklichkeit“, im Namen des „Realismus“ des Geistes, der sich für diese Wirklichkeit opfert, eigen ist, und dem ist deshalb so, weil diese zwei Haltungen zur Kultur voneinander zutiefst abhängig sind, so wie der Sensationalismus von der Banalität (und die Banalität vom Sensationalismus) abhängig ist, oder wie der Individualismus von der allgemeinen Leugnung des entrechteten Subjektes abhängig ist, und, schließlich, im Fundament dieses Geistes und der Philosophie der Palanka selbst, wie die „Welt“ von der Palanka (als einer Nicht-Welt), die Existenz von der Nichtexistenz, die Freiheit von der Knechtschaft, die Äußerung von der Nicht-Äußerung abhängig ist. Der Nihilismus des Realismus der vergöttlichten Wirklichkeit, die als die einzig „richtige“ gilt, weil sie ewig und allgemein ist, erscheint widersprüchlich als Nihilismus des Geistes, der der einzig richtige ist, weil er besonders ist, weil er eine reine Absonderlichkeit in Raum und Zeit ist. Wenn der Realismus durch die Vergöttlichung der Wirklichkeit außerhalb des Subjektes zu Nihilismus wird, wird dieser sensationalistische Aristokratismus durch die Vergöttlichung des aus der Wirklichkeit abgesonderten Geistes zu Nihilismus. Wenn weiterhin – und was das Bedeutendste ist – die Banalität des Ewig-Wahrhaftigen als dem Denken Apriorischen und „Fertigen“, Vollendeten, Nihilismus ist, weil sie eine Leugnung der Zeit und Absonderung aus der Zeit ist, dann ist der Sensationalismus des Absolut-Besonderen durch die Leugnung der Zeit ebenso Nihilismus: Nur solange die Banalität des „Realismus“ die Leugnung der Zeit im Namen des Ewigen (als des Ewig-Allgemeinen) ist, ist der Sensationalismus dieses „Aristokratismus“ die Leugnung der Zeit im Namen des Augenblicks (als des Besonderen). Der Sensationalismus, weil er auf dem Motiv der Absonderlichkeit beruht, und auf dem Streben nach der Absonderung aus dem Alltäglichen, beruht unausweichlich auch auf dem Augenblick: Nur er, der Moment, kann sensationell sein, weil er unwiederholbar ist. In der Zeit, allein damit, dass die Zeit die Verwandlung des Gegebenen ist, existiert auch immer das, was verwandelt wird, was der Zeit als die bloße Gewähr ihres antithetischen Charakters gegeben ist, nämlich die Ewigkeit selbst, und somit auch als die Gewähr der Ewigkeit der Zeit. Der reine Sensationalismus, geboren in der Verachtung der Banalität als einer absoluten, „reinen“ Banalität, ist unvermeidlich auf den Augenblick als das bloße Wunder des Lebens angewiesen, als die Absonderlichkeit des endlos raren und deswegen sensationellen Lebens selbst.

 

Jeder Versuch einer „Verlängerung“ des Augenblicks würde einen Fall in die Banalität, einen Fall in die Zeit bedeuten, und auf den Weg zur Gewöhnlichkeit verweisen. Der Augenblick darf sich selbst nicht überleben. Sein „Wesen“ (als das eigentliche Wesen des sensationellen Lebens) zerfällt durch den Zerfall des Augenblicks selbst, durch seine Rückkehr in die Zeit. Der Augenblick ist das richtige Leben des Un-Gewöhnlichen, er ist der Augenblick des un-gewöhnlichen Lebens, der Tod des Gewöhnlichen und der Tod der Zeit, welche das Un-Gewöhnliche des Augenblicks „vergewöhnlicht“, in Gewöhnlichkeit überführt. Er ist auf den Tod als den Tod der Zeit angewiesen. Ohne die Vermittlung des Todes ist der Augenblick unmöglich, und nicht nur undenkbar. Dieser Angewiesenheit des Sensationalismus auf den Tod (durch den Zwang des Augenblicks zum Tod) entspricht die Angewiesenheit des Realismus auf den Tod (durch den Zwang des Einzeln-Absonderlichen, und des Augenblicklichen in Bezug auf das Ewig-Wirkliche, durch den Zwang, sich zu opfern, zu sterben, um dadurch wirklich zu werden). Der Imperativ des Opfers, das Motiv der Aufopferung, womit nur das Leben erreicht werden kann, dieses märtyrerisch-heilig-heroische Motiv tritt in beiden Fällen auf, wobei es sich zwar verschiedentlich ausprägt, jeweils die einzigartige Herkunft auf Grundlage der Leugnung der Zeit und das einzigartige Schicksal als Schicksal des Nihilismus bewahrend.