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SOLIDARNOST OB MEJI

SOLIDARITÄT AN DER GRENZE

100 Jahre / 100 let Janko Messner (geb. 1921)

Archivaufnahme aus dem Kärntner Literaturarchiv in Klagenfurt
Archivaufnahme aus dem Kärntner Literaturarchiv in Klagenfurt

 

Ziel des Projekts Solidarität an der Grenze ist die archivarische, historische sowie kulturwissenschaftliche Aufarbeitung der mehrsprachigen Literaturgeschichte Kärntens/Koroškas, ausgehend vom Leben des Schriftstellers Janko Messner in unterschiedlichen medialen Formaten und Formen. Das Filmische soll mit dem Textuellen, dem Visuellen und dem Auditiven verwoben werden.

 

Fokussiert wird auf die kollektiven Traumata der Kärntner slowenischen Minderheit, die Geschichte 1920-1945, insbesondere auch auf die Verfolgung und Deportation von Kärntner SlowenInnen, die Desertionen von Kärntner SlowenInnen aus der Wehrmacht und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Geplantes Endprodukt ist ein intermediales Buch, in das QR-Codes sowie Augmented Reality eingebettet sind, die mit anderen Formen wie Dokumentarfilm, Collage, Animation und Sound in Verbindung treten. Das intermediale Buch ist so konzipiert, dass es auch als Grundlage für eine Wanderausstellung dienen kann. 

 

Geplanter Erscheinungstermin des intermedialen Buches ist Oktober 2021, anlässlich des 100sten Geburtstags Janko Messners. Die künstlerische Aufarbeitung wird aber auch darüber hinaus nachhaltig sein: Mit Abschluss des Projekts soll ein Online-Kulturarchiv mit Video-, Text- und Audiodateien sowie ein 20minütiger künstlerischer Dokumentarfilm entstanden sein.

 

 >> Hier geht es zum wachsenden >> Video-Archiv.

 

Ausgangspunkt des Projektes ist der Nachlass des zweisprachigen Schriftstellers Janko Messner (1921-2011) aus Koroška/Kärnten, der aktuell in Form von 38 erstgesichteten Kisten noch als Depositum im Robert-Musil-Institut für Literaturforschung/Kärntner Literaturarchiv liegt. Eine unabhängige professionelle Begutachtung der umfangreichen Nachlassmaterialien liegt vor. Diese beziehen sich nicht nur auf Messners literarische Arbeiten, sondern umfassen auch journalistische, politische und essayistische Texte sowie Drehbücher, Übersetzungen, Briefe und Lebensdokumente sowie Arbeiten Dritter.

 

Denn durch seine vielfältigen Aktivitäten war Janko Messner ein weit vernetzter Literatur- und Kulturvermittler, ein Multiplikator und politisch Engagierter. Janko Messners „Hinterlassenschaft“ geht also weit über seinen Nachlass hinaus und hat ihre Spuren in der Literatur-, Kultur- und Politiklandschaft Kärntens hinterlassen – und nicht nur hier.

 

Ausgehend von der Auseinandersetzung mit einem Vertreter der Kärntner und Kärntner slowenischen Literatur soll auch ein deutschsprachiges Publikum dazu angeregt werden, sich die über 100 Jahre währende überregionale kulturelle Vernetzung und Solidarität zu vergegenwärtigen.

 

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Erste Projektpräsentation: 21.03.2019 // 17h

Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz / Schulungsraum

Mit Elena Messner, Dana Rausch, Tobias Zarfl; Moderation: Georg Mayr.

In Kooperation mit der GEWI Wien.

 

 

EIN VIDEOARCHIV ZUR KÄRNTNER SLOWENISCHEN KULTURGESCHICHTE  VIDEO-ARHIV O VEČJEZIČNI KULTURNI ZGODOVINI KOROŠKE

Dokumente aus dem Nachlass Janko Messners
Dokumente aus dem Nachlass Janko Messners

 

 

 

 

Messner, ein Kärntner Schriftsteller slowenischer Muttersprache, hat in seinem literarischen Schaffen wiederholt über Themen wie Nationalsozialismus, Faschismus, Wehrmacht und Kriegsdienst, die Deportationen der Kärntner SlowenInnen reflektiert. Die Pflege der Erinnerung an den Widerstandskampf gegen den Nationalsozialismus und dessen Opfer war permanent Teil seines literarisch-aktivistischen Wirkens. Er wuchs in einer sozialen Umgebung auf, in der gegen die Assimilierungsansprüche der deutschsprachigen Dominanzkultur vor 1938 ebenso opponiert wurde wie gegen den totalen Herrschaftsanspruch der Nationalsozialisten nach dem „Anschluss“.

 

Es geht im Projekt folglich auch darum, eine Erinnerungspraxis zu beleben und zu fördern, deren Bewegungslinien in mehrere Richtungen verlaufen. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit einem Vertreter der Kärntner und Kärntner slowenischen Literatur sollen die RezipientInnen dazu angeregt werden, sich die gewaltvolle Geschichte Kärntens zwischen 1920 und 1945 aber auch die über 100 Jahre und Solidarität zu vergegenwärtigen und zu reflektieren. 

 

Das intermediale Buch, das auch als Katalog bzw. Grundlage für eine Wanderausstellung dienen kann, möchte unter Einbeziehung bewegter oder als bewegt inszenierter Text-, Bild- und Filmsequenzen das kollektive Gedächtnis einer zweisprachigen Region anhand einer Rekonstruktion des Werkes von Messner dynamisch inszenieren. Es steht somit im Gegensatz zu rechtskonservativen Erinnerungsmedien wie etwa traditionellen Erbmuseen, Denkmälern und Gedenktafeln, die zu einer Versteinerung und De-Dynamisierung des kollektiven kulturellen Gedächtnisses führen und mentale Grenzen da einziehen, wo keine waren und keine sind – oft langfristig, ‚unverrückbar‘ und unüberwindbar. Daher steht Solidarität an der Grenze gerade für Dynamisierungen, Verrückungen, dialogische Öffnung und für Grenzüberschreitungen, es steht aber auch dafür, dass diese Solidarität in vielen historischen Momenten Kärntens brutal an ihre Grenzen stieß, etwa in Form von Verfolgung, Verachtung und Aussiedelung der Kärntner slowenischen Opfer in Lager von 1938 bis 1945 oder dem Vorenthalten der Minderheitenrechte im Nachkriegsösterreich.

 

Alle Video-, Animations- oder Foto-Elemente sollen auch nachhaltig online abrufbar sein: auf der Kulturplattform www.textfeldsuedost.com werden Video-, Audio- und Textmaterial kostenlos downloadbar sein. So entsteht mit dem Projekt ein mehrsprachiges Online-Kultur- und Filmarchiv, mit dem gesichert werden soll, dass das digitale Archiv die nachhaltige Auseinandersetzung mit den behandelten Themen möglich macht. Ausgehend von diesem Online-Archiv können in weiterer Zukunft weitere Vernetzungs- und Interaktionsprojekte entstehen oder andere Projekte integriert werden. Auch Schulen, Universitäten und andere Kultur- und Bildungsinstitutionen können dieses mitbenutzen oder durch eigene Projekte erweitern.

 

 

Ein Projekt von Dana Rausch, Tobias Zarfl, Elena Messner, Patrick Thonhauser, Dominik Srienc

 

 

In Kooperation mit

  • dem Robert-Musil-Institut für Literaturforschung / Kärntner Literaturarchiv
  • der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (Univ.-Prof. Dr. Anke Bosse, Mag. Dominik Srienc)
  • dem Institut für Slawistik der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (Ass.-Prof. Dr. Peter Svetina)
  • dem Institut für Slawistik der Karl-Franzens-Universität Graz (Univ.-Prof. Dr. AndreLeben)
  • der Studienrichtungsvertretung Germanistik der Universität Wien
  • dem SZI / Slowenisches Wissenschaftsinstitut (Ass.-Prof. Dr. Valentin Sima)
  • dem Drava Verlag (Klagenfurt)