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Von pseudo bis pikant. Überraschende Kurzprosa aus Serbien

Von Gabriela Vojvoda-Engstler

Die im  2011 von Angela Richter herausgegebenen Band Der Engel und der rote Hund. Kurzprosa aus Serbien (Edition Noack&Block)  versammelten Erzählungen stammen aus verschiedenen zwischen 1997 und 2010 in Serbien erschienenen Erzählbänden und Anthologien. Bis auf wenige Ausnahmen wie Vladimir Pištalo (Millenium in Belgrad, 2000 und Tesla, ein Poträt unter den Masken, 2008), Vladimir Arsenijević (Cloaca Maxima. Eine Seifenoper, 1994 und Jugolaboratorium, 2009) und Sreten Ugričić (Direktor der Serbischen Nationalbibliothek, mehrere Erzählbände) sind die Autorinnen und Autoren im deutschsprachigen Raum kaum bekannt, haben sich aber in Serbien durch Veröffentlichungen und Preise bereits einen Namen gemacht. Die Texte wurden von Studierenden und Graduierten im Rahmen einer Übersetzerwerkstatt am Seminar für Slavistik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg übersetzt. Dass in dieser Anthologie nur fünf der neunzehn Autoren weiblich sind, mag an der schieren Unmöglichkeit liegen, sich in einer dominant männlich geprägten Literaturszene durchzusetzen.

Die neunzehn Kurzgeschichten fokussieren die unterschiedlichsten Befindlichkeiten jenseits der großen Themen der jugoslavischen Zerfallskriege und der nationalen Selbstfindung, die die zwischenmenschlichen Probleme, Sehnsüchte, Neigungen und Leidenschaften überschatten. Wie die Herausgeberin im Vorwort treffend bemerkt, sind die Sujets der ausgewählten Texte „frei von nationalem Pathos und frei von nationalen Zwängen“ (10). Vielmehr rückt die Auswahl Themen in den Vordergrund, die wie Pornographie, Homosexualität und Prostitution in einem konservativ, traditionell und nationalistisch geprägten Serbien als ebenso tabu gelten, wie die Brandmarkung politischen Irrsinns. Themen wie Reisen, Exil und gescheiterte Existenzen auf der Suche nach einem besseren Leben runden die Anthologie ab. Der Erzählungsband handelt von den kleinen Fragen der Menschheit in einer Zeit und einem entgrenzten Raum – die Geschichten spielen überall auf der Welt -, in dem die großen Fragen ohnehin nicht zu lösen sind. Die Erzählungen sind ebenso absurd wie surrealistisch, ironisch und obszön und vermischen die Wirklichkeit ihrer Protagonisten mit ihren (Alp-) Träumen und Sehnsüchten.

(Pseudo)-Kosmopolitisches

Vom Unterwegssein erzählen Vladimir Pištalo, Mihajlo Spasojević, Vladimir Arsenijević und Đorđe Jakov, die beiden letztgenannten auf ganz besondere Art und Weise. Pištalos Titelerzählung Der Engel und der rote Hundmutet als Verarbeitung der Exilerfahrungen des Autors in den USA an. Aus der Perspektive eines Hundes wird hier sowohl die Angst vor dem Fremden, als auch das Bedürfnis thematisiert, ein- und ausschließende Kollektive zur Identitätsstiftung zu bilden. Der Hund Samson, der bereits durch sein rotes Fell hervorsticht, gilt aufgrund seiner friedlichen Koexistenz mit zwei Katzen als multikulturell. Trotz der Gewöhnung an die Katzen verhält er sich einem Lama als einem aus der Dritten Welt stammenden Wesen gegenüber feindselig und fühlt sich ihm überlegen. In einem Alptraum redet Samson der als Engel erscheinende bulgarisch-französische Humanist Tzvetan Todorov ins Gewissen und rezitiert soziologische Theorien über das Zusammenleben und die Wahrnehmung des anderen: „’Es besteht die Tendenz, jede Verschiedenartigkeit aus der Inferiorität von jemandem abzuleiten’, belehrte der Engel aus dem goldenen Rauch Samson. ‚Aber für jedes Wesen ist das Wissen über andere nicht einfach einer der möglichen Wege zur Selbsterkenntnis. Es ist der einzige Weg.’“ (35). Das aggressive Bellen Samsons verdeutlicht die Hoffnungslosigkeit von Todorovs Ideen in einer Zeit der Egozentrik und des Ethnozentrismus und hinterlässt einen weinenden Humanisten.

Auch der seit 2002 im amerikanischen Exil lebende Mihajlo Spasojević setzt seine Eindrücke des amerikanischen Lebens in seiner Erzählung Die Stadt, die nie schläft um. Der Protagonist, selbst Hundebesitzer, sinniert darin über die mitternächtlichen Spaziergänge der Hundebesitzer mit ihren Hunden zum letzten Geschäft des Tages und über seine erotischen Phantasien, die eine Nachbarin in ihm weckte, die längst verzogen ist und die er nie anzusprechen wagte. Gerade im pulsierenden Leben der Stadt wird sich der Protagonist seiner Einsamkeit bewusst.

Der in Belgrad lebende Vladimir Arsenijević wurde im deutschsprachigen Raum durch den Roman Cloaca Maxima. Eine Seifenoper, in dem es um einen serbischen Kriegsverweigerer während der jugoslavischen Zerfallskriege geht und für den er 1994 in Serbien den NIN-Preis erhielt, bekannt. Er schafft es in 20/01/2010 (12:00-12:01 MGZ)in einer Minute um die Welt, indem er Episoden gleichzeitiger Geschehnisse in 13 Zeitzonen ersinnt und so zum einen auf die Vielstimmigkeit, aber auch die Einheit der Welt aufmerksam macht.

Ein besonderer Reisender ist auch der Ich-Erzähler des in Dänemark lebenden Autors Đorđe Jakov in Unterwegs, der sich, ohne überhaupt fahren zu können, ein Auto kauft und es auf seinem Hof aufstellt. Hier unternimmt er, mit Proviant versehen und in lässiger Manier den Ellenbogen aus dem Fenster streckend, sehnsüchtige Reisen in die große weite Welt, bis er schließlich auf einer imaginären Landstraße seiner ersehnten Reisegefährtin begegnet.

Die Autorinnen Jelena Lengold und Ljubica Arsić auf der Leipziger Buchmesse
Die Autorinnen Jelena Lengold und Ljubica Arsić auf der Leipziger Buchmesse

Politisches

Wie Regimewechsel auf die Gesellschaft wirken, zeigen am Beispiel von Einzelschicksalen die plakativ-ironische Erzählung Schokolade der Marke Pioniervon Ljiljana Đurić, Mitbegründerin und Redakteurin der seit 1995 erscheinenden Zeitschrift ProFemina und Autorin mehrerer Lyrik- und Prosabände, und die ironisch-nostalgische Erzählung Ein Spiegel und in ihm die Dächer der Stadt von Ljubica Arsić, Lehrerin für Literatur an einem Belgrader Gymnasium und Autorin verschiedener Erzählbände und Romane. Vor dem Hintergrund eines Werbeplakates für Schokolade der Marke Pionier (eine, wie der Name verrät, sozialistische Marke) mit dem Konterfei Titos, das vom Fenster aus zu sehen ist, muss sich die Ich-Erzählerin als Journalistin zu Beginn der Ära Milošević einem Verhör der Staatssicherheit unterziehen. Indem der Staatssicherheitschef ihr Tito-Nostalgie unterstellt und sie der Denunziation eines Freundes bezichtigt, versucht er sie, unter Druck zu setzen und sie als Mitarbeiterin zu gewinnen. Die Sinnlosigkeit ihrer Abwehrversuche („… und eigentlich weiß ich nicht einmal, wer Sie sind. Das neue Marionettentheater?“, 124) und ihres Glaubens an eine neue Freiheit, der vom Sicherheitschef untergraben wird („Warum haben Sie ihn nicht längst verklagt, wenn Sie offensichtlich an all den demokratischen Budenzauber glauben?“), wird geradezu plakativ durch das Anbringen eines neuen Plakates im Hintergrund des Verhörs dargestellt. Darauf ist eine neue Schokoladenmarke mit neuer Vaterfigur (Milošević) und mit „Pionieren […] ohne Pioniertücher“ (125) abgebildet, die für die Ich-Erzählerin das ganze Ausmaß von Diktaturen auszudrücken vermag. Zynisch klingen die Worte des Wachmanns nach ihrer Entlassung: „Sie sind frei!“ (ebd.).

In Ljubica Arsićs Ein Spiegel und in ihm die Dächer der Stadt erzählt die Ich-Erzählerin vom Leben ihrer Großmutter Zlata. Ein Spiegel, den die Großeltern als Hochzeitsgeschenk erhielten, fungiert als Reflexionsmedium für die Erinnerungen der Großmutter: ihre Liebe zu Großvater Gojko und die politischen Ereignisse seit ihrer Hochzeit. Vor dem Spiegel wird die Hochzeitsnacht vollzogen, vor dem Spiegel poliert die junge Zlata die Orden ihres Ehemannes, General der Jugoslavischen Volksarmee, vor dem Spiegel putzt sich der General für seine Seitensprünge heraus. Nach dem Tod des Großvaters schlüpft die senile Großmutter in dessen Rolle und Uniform, verteilt Orden, fährt Manöver. Als Spiegel der Geschichte bewahrt der Hochzeitsspiegel sowohl das Ende Jugoslaviens, als auch den Sturz Miloševićs, signalisiert jedoch die latenten Gefahren neuer politischer Schergen: „In der Tiefe von Großmutter Zlatas Spiegel begannen schwache Lagerfeuer zu brennen. Ihre flackernden Flämmchen verabredeten eine neue und unerwartete Anordnung der Truppen, welche in die überschwemmten Wiesen einfallen werden, mitten in Heuschober und Schafherden“ (58).

Der Autor Srđan Tešin auf der Leipziger Buchmesse
Der Autor Srđan Tešin auf der Leipziger Buchmesse

Persönliches

Geschichten intensiver familiärer und zwischenmenschlicher Beziehungen erzählen Jelena Lengold (Senka), Projektkoordinatorin der Humanistischen Akademie Nansenskolen (Norwegen), Saša Ilić (Nordnordosten), Mitarbeiter an der Serbischen Nationalbibliothek, Mitbegründer und Redakteur des seit 2006 erscheinenden Magazins Beton, Srđan V. Tešin (Tulumbe und Tod), Autor mehrerer Prosabände seit 2003 und Mitbegründer der Bürgerinitiative Plastelin, und Milica Mićić-Dimovska (Melanija), Autorin von Romanen und Erzählungen und bis 2004 Redakteurin des Magazins Letopis Matice Srpske der gleichnamigen Kulturinstitution. Interessant in Jelena Langolds Senka ist, dass der zunächst als Frau wirkende Ich-Erzähler aus der Perspektive eines Mannes erzählt, was erst nach ein paar Seiten Lektüre deutlich wird. Dieser heiratet nach dem Verschwinden seines sprunghaften Bruders dessen Freundin Senka, eröffnet mit ihr eine Konditorei und lebt in ständiger Angst, dass der Bruder heimkehren und er dadurch seine Frau verlieren könnte. Als dieser nach zehn Jahren tatsächlich zurückkommt, wird sich sein Alptraum nicht erfüllen. Senka bekennt sich zu ihrem Mann, dem (langweiligen) Bodenständigen, der sie aufrichtig liebt, und verwirft den (aufregenden) Verwegenen.

Nordnordosten von Saša Ilić mutet als surrealistische, fantastische Erinnerung an und muss als Abriss einer zerbrochenen Familie gelesen werden. Es herrscht Eiszeit, im Haus schneit es, der Vater staubsaugt den Schnee weg. Der Schnee ist eine Metapher für die Kälte, die im Elternhaus des Ich-Erzählers herrscht, eine Kälte zwischen Mutter und Vater und zwischen Vater und Sohn, verursacht durch die Figur mit dem abstrusen Namen „Warwara die Kühle von Adelheim“, die dem Vater in Russland begegnet war und die, wie das Museum für diluviale (eiszeitliche) Wunder, plötzlich verschwindet. Nach der Rückkehr des Vaters tritt Tauwetter ein: der Vater ist nun zwar körperlich, aber nicht seelisch anwesend. In der Kammer im Nordnordosten des Hauses kehrt der verlorene Vater in die Arme seines Sohnes zurück. Nach dem Tod des Vaters sehnt sich der Ich-Erzähler nach der Eiszeit seiner Erinnerung.

Die Ironie des Schicksals erfährt die Protagonistin in Srđan V. Tešins absurder Erzählung Tulumbe und Tod, in der die gelangweilte Lokalpressejournalistin Milka in die Fänge ihrer eigenen Story gerät. Während in der Rahmenhandlung der Ich-Erzähler, Milkas Mann, zu Hause auf die Rückkehr seiner Frau wartet, wird diese auf dem Nachhauseweg in der Konditorei „Stoßarbeiter“ des berühmten Konditors Stole, in der sie Tulumbe (eine süße, in Sirup getauchte Mehlspeise), kaufen möchte, von Cane, dem Adoptivsohn des Konditors festgehalten und gezwungen, nach diktiertem Rezept eben jene Tulumbe zuzubereiten. Die Nachricht vom Tod des Konditors Stole ist die bittere Ironie auf ihre in der vorigen Woche in der Presse veröffentlichte Erzählung Tulumbe und Tod, in der der Konditor einer Dorfkonditorei in den Teig uriniert und deshalb von den Dorfbewohnern umgebracht wird. Narrativ gelungen ist die zwischen den einzelnen Zubereitungsschritten episodenhaft geschilderte Lebensgeschichte Canes. Als Strafe für ihre verleumderische Erzählung muss Milka alle Tulumbe aufessen. Die Absurdität gipfelt darin, dass ihr Mann sie nach ihrer Freilassung zu Hause mit einer Schüssel voller Tulumbe erwartet.

Die Geschichte einer gescheiterten Existenz erzählt die in Novi Sad lebende Milica Mićić-Dimovska in Melanija. Auf einem Markt in Novi Sad trifft die Ich-Erzählerin die verlebte, aufgedonnerte ehemalige Balletttänzerin Melanija an, die aufgrund ihrer exorbitanten Körpergröße stets Männerollen erhielt und schließlich aus dem Ensemble ausscheiden musste. Das Ausmaß ihrer Verzweiflung wird in ihrer Wohnung sichtbar, die mit Requisiten und Ballettfiguren aus Porzellan dekoriert ist und in der sie der Ich-Erzählerin im Kostüm ihrer Traumrolle ihre traurige Lebensgeschichte erzählt. Als Laborantin im Militärkrankenhaus machte sie ihren Traum von der weiblichen Hauptrolle vor verletzten Soldaten wahr, die ihr die gewünschte Anerkennung erbieten, bis sie sich in einen von ihnen verliebt und in Rente geschickt wird. Die Tragik ihrer Laufbahn wird durch ihre jetzige Verdingung als Tänzerin in einem schmuddeligen Nachtcafé abgerundet.

Die Herausgeberin Angela Richter
Die Herausgeberin Angela Richter

 Pikantes

Nicht zuletzt stechen in der Anthologie drei Erzählungen hervor, die auf unterschiedliche Weise die Pornographie zum Thema machen. Zoran Ćirićs Auch die Liebe weiß, was sich gehört handelt von einem Pornographie-Schriftsteller in Nišville, dem Ich-Erzähler, und dessen Freundin Živana, die versucht, die pornographischen Szenen seines jüngsten Buchs mit dem Ich-Erzähler in der Hauptrolle umzusetzen. Beginnend mit einer voyeuristischen Szene, die sich in einen flotten Dreier verwandelt, über Sex mit verheirateten Frauen inszeniert Živana die Buchvorlage bis zur Geburtstagsfeier ihrer alten Tante Jela, bei der der Versuch des Ich-Erzählers, mit Jela zu schlafen, an der ausbleibenden Erektion scheitert. Beim anstehenden Besuch bei Živanas Vater, dessen Zweck eindeutig zu sein scheint, ergreift der Ich-Erzähler die Flucht. Als in Wirklichkeit moralischer und verklemmter Zeitgenosse lebt er seine Phantasien nur in der Literatur aus und wird von Živana gnadenlos entlarvt: „Ich bekenne: Mein angetrautes Weib war scharfsinnig. Sie hatte mich dennoch als Schriftsteller durchschaut: [...]“ (77).

In Igor Morojevićs Der Krieg um die Ehre der Moana Pozzi geht es um das Copyright auf das Aussehen der verstorbenen italienischen Pornodarstellerin Moana Pozzi – die wirkliche Moana Pozzi soll 1994 an Krebs gestorben sein, Mutmaßungen darüber, dass sie untergetaucht sein soll konnten nie belegt werden (vgl. hierzu) – das in der montenegrinischen Stadt Cattaro (Kotor) durch Morde an Moana-Pozzi-Kopien verteidigt wird. Aus der Perspektive eines Er-Erzählers wird Boris' Suche nach dem Mörder seiner Frau Ema, die Moana Pozzi ohne chirurgischen Eingriff bis aufs Haar glich, dargestellt. Täter ist der selbsternannte Hüter des Copyrights und Boris’ Freund German, sein Motiv die Anmeldung Emas beim Wettbewerb um die überzeugendste Moana-Kopie. In einem Racheakt auf einem Parkplatz, auf dem verdächtigerweise auch Pozzis Witwer erscheint, erschießt Boris German. War Ema die untergetauchte Moana Pozzi, so kamen gleich zwei Rächer ihres Todes.

Um Sodomie geht es vordergründig in Biljana Kosmoginas Erzählung Der Pornostar, in der der Ich-Erzähler aus der Perspektive des naiven Esels und Pornostars Sugar Dick die traurige Geschichte seiner Karriere, eine Geschichte über Business, Liebe und Moral erzählt. Das personifizierte Tier verliebt sich in eine der ihm zugeführten Frauen, Dolly, die bei ihm das paradiesische Gefühl, auf einer Weide zu grasen, auslöst. Daher leistet er bei den anderen Frauen Widerstand und bekommt erektionsfördernde Spritzen. Sein altersbedingter, langsamer Verfall führt zu Depressionen und Träumen von der nun unerreichbaren Dolly. Mit Hilfe einer Betäubungsspritze wird er auf der lang ersehnten Weide als Pornostar ausrangiert und hat schließlich doch in sein Paradies gefunden („Ich jedoch bin als Esel besser als der Mensch. Mir genügt meine Weide“, 118).

Tiefgründig und überraschend sind alle Erzählungen der Anthologie, auch die wenigen, die hier ausgelassen wurden. Die Zusammenstellung der Kurzprosa aus Serbien lässt den Leser an der Gratwanderung des Schreibens im und vom Exil, von Politischem, Persönlichem und auch Pikanten teilhaben. Es sind Themen, die nur vermeintlich voneinander zu trennen sind, vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Serbien der beiden letzten Jahrzehnte jedoch eng miteinander verwoben sind. Diese Lebenswirklichkeit wird von den hier vorgestellten Autoren durch die im Vorwort postulierte „Unverwüstlichkeit des Erzählens“ bewältigt.

 25.10.2011

 

Gabriela Vojvoda-Engstler studierte Ostslavische und Südslavische Philologie an der Universität des Saarlandes/Saarbrücken, wo sie als Lehrbeauftragte für Kroatisch, Serbisch und Bosnisch tätig war. Seit 2008 arbeitet sie an ihrer Dissertation „Raum und Identitätskonstruktion im Erzählen Dževad Karahasans“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Von 2009-2010 nahm sie am Forschungsprojekt „Literatur und postsozialistische Transformation. Die Rolle serbischer Literatur in den politischen und kulturellen Diskursen am Ende des 20. Jahrhunderts“ der Martin-Luther-Universität und des Instituts für Literatur und Kunst in Belgrad teil und untersuchte den NIN-Preis in der Ära Milošević. Aktuell ist sie in der Gastprofessur Europaicum der Universität des Saarlandes beschäftigt.