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Wie steht es um die Sichtbarkeit von Migration in Museen? Obwohl Arbeits- bzw. Wirtschaftsmigration, Flucht, Vertreibung und globale Mobilität zu den dominierenden Phänomenen des 20. und 21. Jahrhunderts gehören, sind sie keineswegs ebenso dominierende Themenbereiche in Museen. 

 

Die noch immer karge museale Auseinandersetzung mit diesen Themen deutet darauf hin, dass hier Leerstellen zu füllen und Grundsteine für neue Baustellen zu legen sind.

  

         Darum also an die Arbeit für ein:

MUSMIG. Museum der Migration

 

Geplant sind mehrere Veranstaltungen im Rahmen einer mehrmonatigen Ideenwerkstatt:

 

 

# Ein Workshop und Arbeitsgruppentreffen unter dem Veranstaltungstitel "Inventur" am 14. Dezember 2019

 

# Die Geburt des "Museums der Migration" am 21. Februar 2020 als temporäre Installation in der Galerie "Die Schöne (Kuffnergasse 7, 1160 Wien)

 

Das Ziel aller Veranstaltungen ist und bleibt: die Bedeutung, Funktion und das Fehlen eines solchen Museums zu thematisieren. 

 

Die Teilnehmden der Ideenwerkstatt sind: 

 

Fatih Özcelik (Vorarlberg Museum), Petja Dimitrova, Sónia Melo, Arif und Evrim Akkiliç, Alice Fehrer, Georg Kö, Elena Messner, Goran Novaković, Alexander Matos, Petra Sturm, Handan und Ali Özbas, Ljubomir Bratić, Anastassiya Schacht, Simon Inou, Sandra Chaterjee, Brigita Malenica, Gizem Gerdan, Regina Wonisch, Natalie Bayer (angefr.)

 

 

Die Grundfragen: Welche Konzepte und Debatten begleiten die Frage nach einem Museum der Migration? Was soll (nicht), kann (nicht), muss (nicht), darf (nicht) ausgestellt werden? Wer entscheidet darüber und warum? Wie kann die Immobilisierung eines transitären Phänomens geschehen, welche Sammel- und Ausstellungspraxen stehen zur Debatte, wie muss man sich dabei mit impliziten und expliziten Phänomenen des Rassismus, der Ausgrenzung, der Restriktionen, dem Mangel oder der Überfülle an Objekten u.v.a. auseinandersetzen. Außerdem sollen dabei auch breitere Themen verhandelt werden, etwa: Transnationale Ökonomien, Anwerbeabkommen und Gastarbeit, migrantische (Arbeits-)Kämpfe, Gender und Migrationsprozesse, Sichtbarkeit von Frauen auf dem transnationalen Arbeitsmarkt, Sexarbeit und feminisierte Migration, Mehrsprachigkeit im Stadtbild, migrantische Filme, Literatur, Kunst, urbane und ländliche migrantische Räume,  Migrationsbiografien der Städte: Ghettoisierung, Gentrifizierung, Wohnpolitik, Gesundheitspolitik, Medien, Religion, Gastronomie, Sport und Migration; transnationale Lebensweisen und hybride Kulturen, Rassismus und Antirassismus.

 

 

Warum die Debatte um ein Museum der Migration?

 

„Es geht vielmehr darum, wie wir uns in Institutionen, die das kollektive Gedächtnis verbürgen, mit der gegenwärtigen Pluralität und Diversität unserer Gesellschaft und ihrer Geschichte auseinandersetzen und diese abbilden.“

(Dirk Rupnow)

 

„Die Historisierung und Musealisierung der Arbeitsmigration wäre daher, wie auch jene der Frauenbewegung, der Arbeiter_innenbewegung oder etwa der lesbisch-schwul-queeren Bewegung, ohne die Repräsentationskämpfe ihrer Subjekte und die Initiativen zur Selbstdokumentation nicht denkbar.“ (Arif Akkiliç, Vida Bakondy, Ljubomir Bratić , Regina Wonisch)

 

 

Die geplante Ideenwerkstatt für ein Migrationsmuseum reiht sich in bereits jahrzehntelang intensiv geführte Diskussionen im deutschsprachigen Raum ein. Präsentiert und debattiert werden darum auch Kampagnen und Initiativen, die bereits bestehen. Zugleich sollen zukünftig umsetzbare Konzepte und Formate entwickelt werden.

 

Für das Projekt steht die lokale Wissensvermittlung im Vordergrund. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung soll auf dringliche museumspädagogische und politische aktuelle Fragen reagieren. Auf methodischer Ebene bündelt die Ideenwerkstatt Ansätze aus der Migrationsforschung, der Geschichtswissenschaft und -pädagogik sowie aus einer reflektierend-partizipativen und kunstaktivistischen Demokratiepraxis.

 

 

Koordinationsteam: Ljubomir Bratić, Elena Messner, Alice Fehrer. Erweitertes Arbeitsteam: Brigita Malenica, Georg Kö, Arif Akiliç, Gizem Gerdan

Wir danken Förderinstitutionen, Kooperationspartner_innen und Freund_innen für die Unterstützung!

 

 

 

 

Im Vor- und Umfeld des Projekts wurden und werden mehrere Diskussionsveranstaltungen abgehalten:

 

 

PREKÄRE VERHÄLTNISSE: WOHNEN UND MIGRATION

Fr, 11 OKT 2019, 13:00–15:00, Ort: Ugarit Restaurant – Authentic Syrian Food, Wielandgasse 24, 1100 Wien

 

 Ankommende Migrant*innen haben es am Wohnungsmarkt schwer: Sie wohnen nicht dauerhaft, meist »günstig« und ohne Sicherheit. Arif Akkiliç und Ljubomir Bratić sprechen beim Mittagstisch über die Bedeutung der Wohnungsfrage für die Idee eines Archivs der Migration: Denn Migrant*innen, die ab den 1960er Jahren als Bauarbeiter*innen realen Wohnraum geschaffen haben, werden in der Geschichte und ihrer Darstellung nicht repräsentiert.

Mit Arif Akkiliç und Ljubomir Bratić.

 

Im Rahmen von urbanize! 2019; Programmschiene: »Alle Tage Wohnungsfrage«

In Kooperation mit http://www.kulturraum10.at / Alice Fehrer

(Foto-Eindrücke von Georg Kö)